Von dem Veit-Stoß-Altar, odeer wie man ein Unglück in einen großen Erfolg verwandeln kann

8 Juli 2016

1442 ereignete sich in der wichtigsten Kirche Krakaus, der Marienkirche, ein großes Unglück. Das einstürzende Gewölbe zerstörte den Hauptaltar. Diesem Unfall verdankt jedoch der größte und – wie die Krakauer sagen – schönste gotische Altar Europas seine Entstehung.

Geschaffen wurde er von Veit Stoß aus Nürnberg, dem dieser Auftrag großen Reichtum, viele Kunden und unvergänglichen Ruhm eintrug. Für sein Werk bekam der Bildhauer 2.808 Florinen – eine Summe, die einem damaligen Jahreshaushalt der Stadt entsprach! Für den Bau des Altars brauchte Veit Stoß zwölf Jahre (1477-1489).

Die 13 Meter hohe und elf Meter breite Konstruktion wurde aus Eiche angefertigt. Die 200 Figuren wurden in Lindenblöcken gehauen. Die Figuren der Hauptszene, des Marientods, sind knapp drei Meter hoch. Das Holz, das der Meister verwendete, war damals schon um die 500 Jahre alt. das macht heute also gut 1.000 Jahre!

Kennzeichnend für den Marienaltar ist sein unerhörter Realismus. Veit Stoß verlieh seinen Figuren die äußeren Züge der Krakauer Bürger, wobei er auch die nicht gerade schönen Details wiedergab: die durch Arbeit und Rheuma deformierten Hände, die erkahlenden Köpfe und die unter der Haut sichtbaren Adern. Er zeigte auch Kleidung, Waffen und Haushaltsgeräte. Die Figuren weisen eine dermaßen hohe Genauigkeit auf, dass auf ihrer Grundlage in den dreißiger Jahren eine Arbeit über die verbreitetesten Krankheiten im mittelalterlichen Krakau verfasst wurde!

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